
Wenn ich den Begriff „Micro-Cheating“ höre, muss ich sofort an meinen ersten Freund denken. Er hat mich zwar nie direkt betrogen, aber glaubt mir, er hat die Grenzen mehr als einmal ausgetestet. Da war zum Beispiel das Mal, als er die Namen von Mädchen in seinem Handy durch die seiner Kumpels ersetzte, nur damit ich nicht misstrauisch wurde – obwohl er darauf beharrte, dass sie nur Freunde seien. Oder das Mal, als er behauptete, er müsse länger arbeiten, ich aber später herausfand, dass er eigentlich mit einer Kollegin im Kino war. Und fangt gar nicht erst mit dem Nachmittag an, an dem er mir erzählte, er sei mit seinem Bruder shoppen, während er in Wirklichkeit Kaffee mit seiner Ex trank, die er „zufällig“ getroffen hatte.
Micro-Cheating findet man zwar nicht in Psychologie-Lehrbüchern, aber der Begriff sorgt online definitiv für viel Gesprächsstoff. Es ist diese neue Grauzone in Beziehungen, die wir alle gerade erst zu verstehen versuchen. Bevor wir also tief in Beispiele für Micro-Cheating eintauchen und analysieren, wie es schleichend das Vertrauen in deiner Beziehung untergraben kann, halten wir kurz inne und schalten einen Gang zurück…
Was ist Micro-Cheating?
Laut Harley Therapy wird Micro-Cheating definiert als ein Verhalten, bei dem „ein Partner die Grenzen der Partnerschaft austestet, indem er Intimität mit jemand anderem aufbaut, ohne jedoch eine sexuelle Beziehung mit dieser Person einzugehen.“ Neugierig, wie das im echten Leben aussieht? Hier sind einige klassische Beispiele:
- Den Ehering zu Hause lassen, wenn man alleine ausgeht.
- Heimliches Chatten mit der Ex oder dem Ex über Social Media oder SMS.
- Auffällig körperbetont oder flirty mit jemandem umgehen, der nicht der Partner ist.
- Ständiges Witzeln oder Reden darüber, wie es wäre, mit jemand anderem intim zu sein.
- Jemanden unter einem falschen Namen im Handy speichern.
- Häufiges Liken oder Kommentieren der Beiträge einer ganz bestimmten Person in den sozialen Medien.
- Insider-Witze oder eine eigene „Geheimsprache“ mit jemandem außerhalb der Beziehung teilen.
Jede dieser Handlungen mag für sich genommen klein erscheinen, aber in der Summe können sie zu ernsthaften Vertrauensproblemen in einer Beziehung führen.
Micro-Cheating kann auch emotionale Grenzüberschreitungen beinhalten
In einer Beziehung sind Ehrlichkeit und offene Kommunikation das A und O. Wenn du also anfängst, emotionale und psychologische Intimität bei jemand anderem als deinem Partner zu suchen, kann das bereits in den Bereich des Micro-Cheatings fallen.
Zum Beispiel:
- Geheimnisse oder private Informationen mit jemand anderem als dem Partner teilen.
- Sich hinter dem Rücken des Partners übermäßig über ihn beschweren.
- Jemand anderem sagen, dass man ihn oder sie auf irgendeine Weise begehrt.
Hast du schon mal jemanden sagen hören: „Wenn ich Single wäre, dann würden wir vielleicht mal ausgehen...“? Genau das ist ein klassisches Beispiel für Micro-Cheating. Es ist ein riesiges Warnsignal, denn es deutet nicht nur auf ein flatterhaftes Herz hin, sondern auch auf die Bereitschaft, Möglichkeiten außerhalb der festen Beziehung auszuloten.
Hast du unbewusst Micro-Cheating betrieben?
Das Wichtigste zuerst: Sei absolut ehrlich zu dir selbst. Welche Absichten stecken hinter deinen Interaktionen mit anderen? Suchst du den Kontakt wegen der Bestätigung, dem Adrenalinkick oder weil du die Person attraktiv findest?
Wenn es dir schwerfällt, deine eigenen Absichten zu durchschauen, stell dir diese Fragen: Mache ich mich besonders schick, wenn ich weiß, dass ich eine bestimmte Person treffe? Erwische ich mich oft dabei, wie ich über jemand anderen fantasiere? Gibt es jemanden, an den ich mich sofort wenden würde, wenn meine Beziehung in die Brüche ginge?
Wenn du eine dieser Fragen mit „Ja“ beantwortest, ist es vielleicht an der Zeit für eine kleine Selbstanalyse. Möglicherweise gibt es Probleme in deiner Beziehung, die du angehen musst – und vielleicht auch die eine oder andere Entschuldigung, die fällig ist. Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass deine Interaktionen in Richtung emotionaler Untreue driften könnten, was für das Vertrauen und die Integrität einer Beziehung genauso schädlich sein kann wie körperliche Untreue.
Bedeutet Micro-Cheating also, dass deine Beziehung am Ende ist?
Ganz ruhig: Nicht unbedingt. Im schlimmsten Fall kann es bedeuten, dass die Beziehung beendet werden sollte. Aber im besten Fall kann es ein Katalysator für eine offene Aussprache mit deinem Partner sein. Vielleicht ist es bei dir und deinem Schatz längst überfällig, sich bei einer Tasse Tee zusammenzusetzen und mal ganz offen über Grenzen zu sprechen.
Viele Paare entscheiden sich auch für eine Paartherapie, da es naturgemäß unglaublich schwierig sein kann, über solche Dinge zu sprechen. Professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen ist nie verkehrt und nichts, wofür man sich schämen müsste.
So, das war Micro-Cheating kurz und knapp erklärt. Und puh… hoffen wir einfach mal, dass ich das so schnell nicht wieder erleben muss!
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